Madcaps – Austropop der ersten Stunde, Teil 2

Der Tschik, der Ö3-Bann, Georg Danzer, made in austria, Österreicher in Vertretung

Nachdem die Madcaps ob erster Verkaufserfolge immer professioneller agieren mussten, stiegen um 1971 einige Mitglieder aus und wurden (auch durch Manager Rene Reitz) durch andere Musiker ersetzt: Darunter auch ein damals noch ziemlich unbekannter Georg Danzer.

Madcaps auf Lok 1970

Madcaps auf Lok 1970 – Foto Meinhard Koch

Ein gewisser Willi Feil hatte damals die Idee, eine Häfenballade mit Milieutext auszustatten und legte damit den Grundstein für Georg Danzer’s „Tschik-Elegie“, welche Reitz, Danzer (Text, Musik) und Rudi Napravnik (Musik) auch mit Mitgliedern der Madcaps (Georg Hauser, Klemens Figlhuber – auch damals wurde unter den Musikern schon kräftig ausgeholfen) einspielten. Ursprünglich sollte den Text ja ein Sandler singen – im Endeffekt machte es dann aber doch Danzer.

Ö3 wollte man aber ein wenig veräppeln, was kräftig in die Hosen gehen sollte: Man behauptete, den Song würde tatsächlich ein Sandler singen, was (nach kriminaltechnischer Untersuchung!!!) seitens Ö3 für sämtliche Reitz’sche Produktionen einen Ö3-Bann mit sich brachte. Georg Hauser von

Blöde Gschicht: Gerade um diese Zeit erschien mit „made in austria“ die langerwartete LP der Madcaps, welche zwar feine Kritiken erhielt – aber einfach nicht im Radio gespielt wurde…Und die Macht von Ö3 war damals noch gewaltiger als heute…

Noch eine Story zum „Tschik“: In der damals hochpopulären TV-Sendung „Wünsch dir was“ (mit Vivi Bach und Dietmar Schönherr) trat dann tatsächlich ein Sandler auf, den man vor Danzer postierte und der nur den Mund zu bewegen hatte – die Madcaps (in der Sache ja nicht uninvolviert) schwitzten vor den Fernsehern Blut – aber die Sache ging gut.

Weniger gut war aber der „Ö3-Bann“ der Madcaps – Georg Hauser meint auch heute noch dazu: „Das hätte man damals eindeutig weniger streng lösen können – ein Flasche Whisky als Entschuldigung für den Scherz wäre wohl seitens Ö3 souveräner gewesen“.  Jaja, die Macht der Monopolisten…

Georg Danzer und die Madcaps

Bei der klassischen ArGe-Musiker-Portrait-Frage „Danzer oder Ambros“ schien eigentlich ein „Danzer“ vorprogrammiert zu sein – die 3 Gründungsmitglieder haben hier aber Wolfgang Ambros gekürt:

Madcaps - LP made in austria 1973 Fesches Madl, fesche Buam

Madcaps – LP made in austria 1973
Fesches Madl, fesche Buam

Das hat wohl auch damit zu tun, weil die Zusammenarbeit mit Danzer eher eine professionelle denn eine freundschaftliche war – wie auch der langjährige Danzer-Manager Blacky Schwarz in einem -lesenswerten- Buch über Georg Danzer bestätigte: Danzer ließ nur sehr wenige Menschen näher an sich ran – und die Madcaps hatten wohl auch einen ähnlichen Eindruck: Mit „introvertierter, unnahbarer Mensch, aber hervorragender Schreiber/Texter“ wird hier Danzer beschrieben, Freunde wurde man in den wenigen Jahren der Zusammenarbeit wohl nicht.

Nachdem aber die Madcaps-LP sowieso kein kommerzieller Erfolg wurde, trennten sich die Wege von Danzer und den Madcaps ohnehin schon 1973, die Madcaps legten dann als „Madcaps“ 1974 ohnehin eine längere Pause hin und erst ab 1984 begann dann wieder ein neuer Abschnitt in der Bandgeschichte der Madcaps – Danzer war inzwischen solo schon sehr bekannt und gerade auf dem „Deutschsprachiger-Avantgarde-Liedermacher-Trip“.

Die Österreicher in Vertretung

Nachdem im Jänner 1972 der Skifahrer Karl Schrank ob Verstößen gegen den (damals schon umstrittenen) Amateurparagraphen von den Olympischen Spielen in Sapparo ausgeschlossen wurde, kochte die österreichische Volksseele – und die Herren Reitz, Danzer sowie ein gewisser Herr Heller (Andre) begaben sich spontan ins Studio und produzierten mit den Madcaps und ein paar Leuten, die man frisch von der Straße ins Studio holte („der Volkschor“) die populistische Nummer „Der Karli soll leben“ – eine Single, die sich binnen weniger Tage hervorragend verkaufte:

„Der Karli soll leb’n, der Brundage (Anm.: damaliger IOC-Präsident) steht daneb’n“ war die Kernaussage der Single, deren (je nach Quelle) 9.000 bis über 40.000 Stück verkauft wurden.

Pinewood Garden

Vielfach unbekannt ist auch, dass Georg Danzer, Georg Hauser (Madcaps) und Rudi Napravnik auch unter „Pinewood Garden“ eine Single in englischer Sprache veröffentlichten („Deep in my heart“) – ein kommerzieller Erfolg bliebt diesem Projekt aber verwehrt.

Die Madcaps – Rock und Dialekt in den frühen 1970ern

Nachdem die Madcaps in den 1960ern noch ziemlich brave und angepasste Tanzmusik-Kombis anhatten und wohl auch ähnlich spielten, zeigen Fotos aus den 1970ern schon deutlich, wie sich die Mode in diesen Jahren änderte: Lange Haare durch die Bank, wildere Wäsche.

Meine Rückfrage „Wie war die Akzeptanz in der Gesellschaft, in Strasshof etc.“ erbrachte aber interessanterweise keine besonderen „lokalen Ächtungen von Konservativen“ – wohl war der Dialektsound damals sehr willkommen, und die langen Haare einfach Mode.

Georg Hauser schildert aber eine durchaus gefährliche Begebenheit, die sich ab und an wiederholte: Eröffneten die Madcaps mit „Und wem’s ned gfoit, der soll se haun über’d Heiser“ (freie Übersetzung für Nicht-Dialekt-Kundige: „Und wem es nicht gefällt, der möge sich rasch entfernen“), flogen via Betrunkenen Zusehern da und dort schon einmal Flaschen und Gläser nach vorne…

1987 – kleines Comeback

Madcaps - LP Nachtfalter 1987

Madcaps – LP Nachtfalter 1987

Nachdem man sich um 1984 wieder öfter in Sachen Madcaps traf und wieder Spaß (der bis heute anhält) an der gemeinsamen Musik fand (dazwischen gab es unzählige Soloprojekte der Mitglieder), erschien 1987 auf dem hauseigenen Label „HANK-Records“ die LP „Nachtfalter“ – Hans Kloiber, Georg Hauser, Erwin Schubert, Heribert Golliasch, Gert Haussner und Bernhard Krinner stellten damals den „Madcaps-Kern“ dar und als Gäste mit dabei waren auch noch Paul Ebhart und Werner Rohm.

Ohne große Werbung ward der Produktion natürlich kein Charterfolg beschieden – die LP ist trotzdem bei Sammlern sehr gefragt!

Die Madcaps machten weiter Musik und traten auch in unregelmäßigen Abständen auf – aber nur noch der Freude an der Musik und der Freundschaft wegen.

50 Jahre Madcaps – 1965 bis 2015

Im bummvollen Strasshofer „Haus der Begegnung“ wurde Ende 2015 dann das Bandjubiläum 50 Jahre Madcaps gefeiert (siehe Beitrag) – und dazu gab es auch eine Doppel-CD mit Songs aus der Bandgeschichte (42 Lieder!) zu erwerben.

Wer diese CD (nicht teuer!) gerne haben möchte, wendet sich vertrauensvoll an die Facebook-Page der Madcaps, welche 2016 das Licht der Onlinewelt erblickt hat.

Ob CD oder Band – Austropop-Musikgeschichte pur.

Hier geht es zu Teil 1 unserer Madcaps-Story

(Ge)