Heroes Fight Night Vienna, 30.4.2016, Hallmann Dome

Die Wege des Herrn sind unergründlich, so auch meine, und nicht jeder Weg führt nach Rom, manchmal geht es einfach nur in den 10. Wiener Gemeindebezirk, Favoriten genannt, zum ehemaligen Budocenter, zwischenzeitlich Admiral Dome und jetzt Hallmann Dome.
Um Favoriten geht es, besser gesagt Weltmeister und solche, die es werden wollen, und auch jene, die es waren und nicht mehr sind, an diesem Abend.

Interessant ist ja schon einmal die Lage des Hallmann Domes, man spaziert vom Erholungsgebiet Wienerberg, am besten mit einem erstklassigen Schnitzel vom „Das Chadim“ im Bauch, zur Stätte des Events. Gerade geht man noch über grüne Wiesen, plötzlich ist man im nirgendwo des 10. Bezirks, Lagerhallen und Gebäude, die locker in amerikanischen Serien als NSA/CIA-Büros mitspielen könnten, säumen die Straße. Dann steht er da, der Betonklotz, als Meeting-Point der Kampfsportler irgendwann in den 80ern als Beitrag zum Weltfrieden erbaut. Fight for your own piece of peace. Naja, Weltfrieden gibt´s zwar noch immer nicht, aber gefightet wird in dem Dome allemal.

Heroes Fight Night Vienna

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Beim Eingang dachte ich, seltsam, dass alle Kämpfer heraußen stehen und tschicken, Muskelmänneroverkill. Waren aber nur ganz normale Zuschauer, wie ich, nur dass ich halt eher der nerdige Musikfan bin, und keine aufgepumpte Kreuzung aus Van Damme und Rocky. Frauen waren auch da, kein Wunder, sollte doch Österreichs Aushängeschild im Boxen, Eva „Golden Baby“ Voraberger, dreifache Weltmeisterin, ihre Titel gegen Esmeralda „La Joya“ Moreno verteidigen.
Die Pappen aufreißen, wie man so sagt, war demzufolge an diesem Abend nicht angesagt, ausstallieren nur ganz leise und dezent, selbst die spärlich anwesenden Kinder hätten mich wahrscheinlich mit links niederstrecken können.

Im Dome ist die Stimmung wohlig aufgeheizt, aber erstaunlich wenig aggressiv, es beginnt mit K1-Amateuren, sprich Kickboxen.
Martialische Einzüge, untermalt von Gangsta Rap deutscher Provenienz, also doch „Ich mach dich Kickbox“-Klischee. Oder zielgruppengerechtes Selfmarketing. Dieter Chmelar moderiert den Abend, auch das noch. Mein persönliches Mantra des Abends: Lästerzunge, halte dich im Zaum!

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Claudia Pöchhacker

Claudia Pöchhacker

 

 

 

 

 

 

 

Es dauert allerdings nur wenige Augenblicke und ich bin ganz gebannt, wie es im Ring zur Sache geht. Unparteiisch wie ich nun mal bin, halt ich beiden Kontrahenten die Daumen, Fäuste und Füsse wirbeln nur so umher, es ist spannend wie ein Krimi.
Lässt sich eine Taktik erkennen? Wer wird am Ende den längeren Atem haben?
Auch bei den K1-Amateuern gibt es einen Frauenkampf, sogar mit K.O., die Tschechin Natalie Sturova besiegt Claudia Pöchhacker.
Da schreckt es mich dann doch ein wenig, der tumbe Blick nach einem K.O., gesund kann das nicht sein.

Ein paar Schweißausbrüche im Ring später kommt der lang erwartete Kampf Golden Baby vs La Joya, Hymnen werden abgespielt, Fahnen geschwenkt, ein Theater sondergleichen. Kaum geht es los, wird auch selbst mir Laien klar, wer in diesem Kampf die Nase vorn hat. Die Mexikanerin erinnert an eine Bulldogge, klein, kompakt und einmal verbissen, lässt sie nicht mehr locker. Eva Voraberger kassiert, geht zwischenzeitlich zu Boden, kämpft weiter, am Ende bin ich erstaunt, dass sie die 10 Runden überstanden hat.
Triumpf und Niederlage werden sogar für mich mehr oder weniger unbeteiligten Zuseher beinahe körperlich spürbar.
Später wird sich Esmeralda Moreno direkt vor mich setzen, ich werde beobachten, wie sie ihren Sieg den Millionen Fans auf Facebook mitteilt, so zarte Finger und solch harte Fäuste.

Esmeralda "La Joya" Moreno

Esmeralda „La Joya“ Moreno

Eva "Golden Baby" Voraberger

Eva „Golden Baby“ Voraberger

Heroes Fight Night Vienna

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Esmeralda "La Joya" Moreno

Esmeralda „La Joya“ Moreno

 

 

 

 

 

 

 

Nach ein paar weiteren Bumm-Tschack-Kick-Box-Runden ist aber trotz aller Spannung die Luft draußen, genug Prügelei gesehen, raus aus dem Dome, bei Nacht wirkt die Umgebung noch seltsamer.
Im Auto hör ich Erin Costelo. „Fighter, when do you know, if it´s over and out?“

(Ar)