25 Jahre Extremhirsch mit pauT und Sir Tralala, 3erWirtshaus, 1.1.2017

Bunte Mischung zum Jahresstart: Sir Tralala, pauT und Extremhirsch in Zwerndorf

Zum Jahreswechsel 2016/2017 war bei mir Zurückhaltung geboten: Immerhin galt es, den 1.1.2017 abends fit zu sein und durch das Eiskasten-Marchfeld Richtung Zwerndorf zu schleichen, wo sich -an Badeseen und dazugehörige Kleingärten geschmiegt- das legendäre 3erWirtshaus von Pepi Helm befindet.

Sir Tralala mit Frühstart

Sir Tralala im 3erWirtshaus, 1.1.2017

Sir Tralala, streng

Tippgeber für den Abend war einmal mehr unser ArGe-Star, der Sir Tralala,  der auch den Auftakt des Abends bestritt und quasi irrtümlich -aus dem Proben/Stimmen heraus- auch gleich einmal zu früh loslegte, sodass ich -trotz schwerer Pünktlichkeit- die ersten Nummer gleich einmal versäumte. Schade, aber nicht so schlimm: Den Sir haben wir ohnehin schon oft gesehen sowie auch beschrieben und auch 2017 steht sowieso wieder das eine oder andere Sir-Konzert auf dem Programm.

Sir-Konzerte sind nämlich immer eine Einserbank – blendende Unterhaltung, eine Menge heiteres Geschwurbel vom Sir, regelmäßig verwirrtes Publikum („wie ist denn der drauf?“), welches ebenso fast regelmäßig auf die genialen Eigenkompositionen bzw. Covers des Meisters einsteigt. Umso bunter das Publikum, desto größer die Begeisterung – Zwerndorf erhält diesbezüglich ein „Gut“. Sogar den eher zufällig anwesenden Jägern aus Kärnten hats anscheinend sehr gut gefallen!

Good News noch vom Sir: Nach der Wirthaustour geht der Schurke (vielleicht) endlich das neue Album an!

2017 das Jahr des pauT?!

pauT live im 3erWirtshaus 1.1.2017

pauT live im 3erWirtshaus

Jährlich absolviert der Sir Tralala zum Jahresbeginn eine kleine „Wirtshaustour“ in Österreich. War 2015 ein gewisser Nino aus Wien sein Begleiter (Top 3 in den Charts 2015 mit Ernst Molden), ging 2016 ein Herr Voodoo Jürgens mit auf die Knochentour. Es folgte eine sensationelle Nr. 1 in den Longplayercharts für den Voodoo.

Dieser Logik folgend, scheint 2017 „Weltberühmt in Österreich“ für pauT nur noch eine Formsache zu sein – denn heuer ist das Gespann paut/Sir unterwegs, der Gig am 1.1. war demnach der Auftakt.

Die Basis (nämlich solideste Pop-Musik mit wohlsortierten deutschen Texten) wäre jedenfalls vorhanden – der Sir bezeichnet den pauT sogar pausenlos als „feinsten bzw. besten Musiker aus Österreich“ – und das will dann wohl doch schon etwas bedeuten…

Gemeinsam mit der „Apple-Band“ (also dem PC), Gitarre und obligatorischem Kapperl legt pauT dann -nach einem netten musikalischen Intermezzo von Pepi Helm- auch gleich kräftig -und deutlich lauter als der Sir- los.

Dem gut gemischten Publikum in Zwerndorf gefallen die wohl eher ungewohnten Klänge („100% geschminkTe verlogene popmusik“, so der pauT himself dazu) gut und mir taugen (soweit ich sie verstehe) die feingestrickten Texte sehr. Erklären kann ich den Stil des pauT nicht – das muss man sich halt einfach anhören und selbst in die Kasterln setzen, die es bei mir bezüglich pauT nur ansatzweise und oberflächlich zur Verfügung gäbe…

Der You-Tube-Hit „Sepp hat gesagt, wir müssen alles anzünden“ funktioniert mitarbeitstechnisch auch im 3er-Wirtshaus recht gut, frische Nummern wie z.B. „Blumenkind“ (siehe Video) sind lässig und souverän (Sommerhit?;-) und das Cover von Kraftwerk’s „Das Model“ ist gänzlich unpeinlich gelungen, was schon etwas bedeutet, denn dabei kann man fast nur kläglich scheitern.

Supercool ist der pauT sowieso, Nervosität trotz Auswärtsspiel und Solounterhalterfunktion ist nicht sichtbar – lange Jahre als Teil der Nino-Band oder auch mit Clara-Luzia sowie auch eigene Auftritte haben dem jungen Mann schon durchaus einige Routine beschert.

Wie schon 2016, als wir zum Jahresstart erstmals Voodoo Jürgens live bestaunt und bejubelt haben, beginnt auch 2017 mit einer Vorahnung: 2018 könnte der Nino aus Wien den pauT zum Amadeus begleiten (und ein Video drehen);-) – im Laufe des Jahres 2017 (ein fixes Datum wagte der pauT noch nicht zu sagen) kommt nämlich das neue Album! Und das wird fett – Fixkauf.

Sir Tralala zerlegt Hallelujah

Während sich die Extremhirsch-Band-Bande sammelt, sorgt Sir Tralala, auch begnadete „Hallelujah-Hochzeit-und-Begräbnis-Hure“ für ein heiteres Intermezzo: Wieder einmal wurde der vielleicht beste heimische „Hallelujah-Interpret“ aufgerufen, den Song zu spielen.

Mitten in der 1. Strophe setzt er ab und erklärt nun Stück für Stück den Text. Ein gradioser und heiterer Gesangs-Vortrags-Monolog über rund 15 Minuten – David Hebenstreit und das Abschweifen pur.

Eine Lehrstunde vom Meister – so muss Musikunterricht!;-)

25 Jahre Extremhirsch

25 Jahre Extremhirsch, 1.1.2017, 3erWirtshaus in Zwerndorf

25 Jahre Extremhirsch

25 Jahre ist es auch schon wieder aus, dass sich Andreas Hirsch im 3erWirtshaus erstmals dem Publikum stellte –  Singen hat er seitdem nicht gelernt und das mit dem Singen wird wohl auch zukünftig nix mehr…aber das betont er sicherheitshalber ohnehin schon den gesamten Abend (wobei das Singen an und für sich ja eh total überbewertet wird…), der den Extremhirsch schon vor dem eigenen Auftritt immer wieder zum Mikro führte.

Völlig egal – der Gesang ist ja auch nicht das Leitmotiv, sich „Extremhirsch & Band“ anzusehen – hier geht es primär um Text des Gänserndorfer Beiswirts (sehr angenehme Hütte!) und noch viel mehr um Ausdruck und um Spaß an der Sache.

Der Extremhirsch covert gerne Klassiker und unterlegt diese mit heftigen und teils auch kritischen, direkten, Texten (z.B. „Schifohrn“, dass dann „Pudern“ heißt), und die Message ist eindeutig wichtiger als der getroffene Ton. Das führt dann schon ab und an in die Regionalnachrichten – insbesondere wenn Spießer oder Rechte sind ein wenig aufregen.

In Sachen Gesang hilft dann ab der Halbzeit ohnehin Frau Dagmar aus – und die hat’s diesbezüglich durchaus drauf: Mir kommt da stimmlich Marianne Faithful in den Sinn, der neben mir sitzende Sir Tralala, dem der Extremhirsch auch sehr taugt, stimmt diesbezüglich zu.

Die BH’s, die während pauT’s Auftritt ausgeteilt wurden (Frau pauT war da entzückend überrascht und planlos, als ihr ein solcher ausgehändigt wurde) fliegen programmgemäß auf die Bühne, der Hirsch und das Publikum haben großen Spaß und plötzlich ist das Konzert (Mein Lieblingssong: Ein textlich sehr gelungenes Cover von Lennon’s „Working-class hero“) auch schon wieder aus – der Bühnenabgang war dann leider doch eher schlecht getimt…

Sir Tralala, pauT, Extremhirsch, Zwerndorf 1.1.2017

Sir Tralala, pauT, Extremhirsch

Aber siehe da – aus dem Nichts der Crowd lösen sich dann einige Zeit später und eher spontan doch noch Andreas Hirsch und ein Musiker seiner Band, der pauT und der Sir (der unbedingt Schlagzeug spielen will aber schon wieder nicht darf) – und es wird die Hallelujah-Version des Extremhirschen vorgetragen.

Deftig, heftig, guter Abgang – und vielleicht das beste „Jubiläumsgeschenk“ für Andreas Hirsch, der sich freut, mit 2 solchen Kapazundern gemeinsam musizieren zu können.

Ein Superbursch, der Hirsch!

Eine feine Location das 3er-Wirtshaus bei Zwerndorf – da möchte ich unbedingt auch einmal im Sommer hin!

Ein feiner, abwechslungsreicher und durchaus amüsanter musikalischer Jahresstart!

(Ge)