Erste Schritte für Musiker – Teil 3

Was du schon immer und ganz unbedingt über eine Musikproduktion wissen wolltest…

Strichcode - CD - Freischwimma Roda Fodn

Strichcode – CD – Freischwimma Roda Fodn

Man verzeihe die leicht ironische Überschrift – mit der grauen Theorie der Musikwirtschaft mag sich nämlich im Normalfall kaum ein Künstler auseinandersetzen. Sollte Frau, Mann oder Band sich aber…

Es sei denn, man hat das Privileg (bzw. das Geld), die Verwaltung gänzlich und sofort einem wissenden und verlässlichen Management zu übergeben – was aber eher die -äußerst seltene- und teure Ausnahme darstellt.

Wir haben daher wieder einmal den Mann unseres Vertrauens sekkiert: Marcin Suder von Between Music ist diesbezüglich ein fast Allwissender (uns kann man aber natürlich leicht beeindrucken, wir wissen nämlich fast gar nichts) und vom letzten Gespräch resultierten zwar schon 2 nette Beiträge über den Start ins Musikgeschäft – die graue Theorie musste die ArGe aber nochmalig absolvieren.

Produktion von Musik und Tonträgern – einige Vorarbeit notwendig

Nachdem nach fast jeder „Ah, jetzt verstehe ich das-Feststellung“ von Marcin noch ein „Aber das kann natürlich auch noch anders sein…und da gibt es noch zu ergänzen…muss aber nicht sein…“ folgte, haben wir uns auf das Wesentliche konzentriert – sonst liest das ja keiner 😉

Strichcode, ISRC und LC-Code

Alsdenn, Youngsters unter den musikproduzierenden Volk: Alles nach der Aufnahme eines Songs beginnt mit dem sogenannten „Strichcode“, der sich z.B. deutlich sichtbar auf den Rückseiten von CD’s befindet.

Den holen sich die meisten heimischen Musiker via Net bei Rebeat aus Tulln, wiewohl es auch die Möglichkeit gäbe, auch bei Tunecore oder CD Baby etc. einen Strichcode zu besorgen. Marcin meint dazu: „Oft ist es nicht schlecht, Fragen oder Probleme in Österreich zu klären“. Der Strichcode ist z.B. auch für Scannerkassen bei physischen Tonträgern relevant.

Beim Vertriebspartner seiner Wahl ordert man dann auch gleich einen ISRC – ein Code, der dann auf die Datenspur der CD kommt und in Folge wichtig für das etwaige Radio-Airplay ist.

Den Codes noch nicht genug, gibt es dann auch noch die Möglichkeit, einen LC-Code zu ordern, welcher für etwaiges Radio-Airplay in Deutschland unabdingbar wäre.

Alsdenn: Codes je nach Bedarf beim gewählten Vertriebspartner ordern (kostet nicht viel) und dann kann auch schon hochgeladen werden…

Auch bei seriösen Labels kann man diese Codes natürlich erhalten, gründet man selbst ein Label, meldet man dieses einmal bei der LSG an, die LSG ist für die Wahrung von Leistungsschutzrechten zuständig.

Nicht nur bei der Produktion eines neuen Tonträgers sollte sich das eigene Label bei der LSG anmelden – auch als Musiker (gilt auch für Studiomusiker) sollte man dies tun!

Songwriter – ab zu AKM und Austro Mechana

Komponisten/Textautoren melden sich auch via Homepage bei AKM (Staatlich genehmigte Gesellschaft der Autoren, Komponisten und Musikverleger) und der Austro Mechana (Gesellschaft zur Wahrnehmung mechanisch-musikalischer Urheberrechte) an.

Hier gibt es 3 wesentliche „Anmeldeformen“:

Tantiemenbezugsberechtigter (=Urheber) – Unbedingt als „Urheber“ bei der AKM/AUME anmelden – damit die Millionen für die Hits auch richtig zugeordnet werden können.

Werkeanmeldung – jeden Song anmelden!

Progammmeldung – nach allen Auftritten die gespielten Songs melden!

Gerade in Sachen Programmmeldung lassen lt. Marcin viele MusikerInnen viel Geld liegen – oft aus Unwissen, oft aber auch aus purer Faulheit. Programmanmeldungen lohnen sich! Holt euch eure Marie!

Digitale Werke hochladen – was bleibt vom Euro?

Marcin Suder - Between Music

Marcin Suder – Between Music, fast Allwissender

Nachdem eine genaue Abhandlung aller möglichen Tonträger den Rahmen dieser Rubrik und wohl auch die Aufmerksamkeit sprengen würde (siehe Einleitung), hat Marcin Suder einmal ein Fallbeispiel konstruiert, wie nun z.B. ein Download abgerechnet wird. Nicht uninteressant:

Nehmen wir an, das Musikstück kostet dem Fan einen Euro (1,00 Euro):

Gleich einmal schlagen die MWSt. (20%) und die Anbietergebühr (z.B. I-tunes, Amazon etc.) zu und es verbleiben noch cirka 75 Cent, die dem Konto des Vertriebspartners (z.B. Rebeat) gutgeschrieben werden.

Mit grob 15% lässt sich Rebeat dann für seine Dienste entlohnen und 6, 7 oder 8 Cent behält auch noch die Austro Mechana zu anschließenden Verteilung ein. 50 bis 60 Cent landen dann einmal tatsächlich beim Künstler.

Von den Centbeträgen, die an die Austro Mechana wandern, behält diese noch ca. 10% ein (bei den Prozentangaben wurde hier generell geschätzt – soll ein Annäherungswert sein!) , den Rest (also rund 5 oder 6 Cent) bekommt der Songwriter. Hat man Text und Musik selber geschrieben, kriegt man also noch ein wenig Geld – Texter und Komponisten werden übrigens 50:50 (Halbe-Halbe) entlohnt.

Noch ein kleiner Ausflug zum boomenden Streaming: Rund 100 Streams entsprechen in der Hitparade einem Download (in Sachen Verdienst entsprechen 100 Streams auch in etwa einem Download) – man muss also schon recht oft gestreamt werden, um ein paar Cent zu verdienen oder gar in Chartnähe zu kommen.

CD, LP, Download, Streaming etc.?

Auf die Frage, welches Musikformat Marcin Künstlern denn aktuell empfehlen würde, folgt eine kleine Diskussion. Marcin antwortet: „In Wahrheit: Alle!“.

Auf Konzerten wird nämlich die CD nach wie vor sehr oft nachgefragt, die Langspielplatte (LP) erfreut sich dieser Tage kräftig steigender Verkaufszahlen (hier sind wir uns einig, dass dieser Boom aber auch enden wird), der Download ist einfach und für viele Fans interessant (verliert aber schon wieder Marktanteile) und Streaming ist derzeit die Zukunft.

Tatsächlich ist aber für die meisten MusikerInnen gar nicht der Verkauf von Musik die wichtigste Einnahmequelle – viel wichtiger ist es, häufig vor Publikum live aufzutreten. Bei der Vielzahl an feinen MusikerInnen, die es dieser Tage gibt und angesichts des (in Sachen feine Musik) eher überschaubaren Gesamtpublikums keine sehr leichte Übung.

Danke an Marcin für die Infos, mögen diese hilfreich sein.

(Ge)

PS: Die ersten beiden Teile dieser Serie in Sachen „Erste Schritte für Musiker“ sind hier zu finden: Teil 1, Teil 2