Dritte Hand und Sigrid Horn, Cafe Stadtbahn, 8.9.2017

Ghupft wia Ghatscht im Cafe Stadtbahn

Dritte Hand, Mario Schlager

Dritte Hand, Mario Schlager

Die erste Begegnung der zweiten Art mit der Dritten Hand hatte die ArGe im Mai – als da nämlich der Nino aus Wien solo das bummvolle Cafe Stadtbahn (ein Lokal, wie damals;-) bespielte und uns vor Ort das auffällige Konzertplakat der Dritten Hand für den 8.9.2017 ins Auge stach.

Mitten im Waldviertel, beim Rock den Park, dann kurz ein Quatscherl mit Dritte-Hand-Mastermin Mario Schlager – und schon war klar, dass da beizeiten einmal ein Ohr geliehen werden sollte. Eine kurze Recherche via YouTube brachte Sicherheit, die seitens Mario genannten Zusammenarbeiten u.a. mit Sigrid Horn (Wosisig) oder Stephan Sperlich (Playbackdolls) versprachen darüber hinaus ohnehin Qualität.
Alsdenn, rein ins Cafe Stadtbahn – und das ist schon 10 Minuten vor (offiziellen) Konzertbeginn ausgesprochen gut besetzt und wird immer voller und voller.

Daschauher: Auf Facebook haben ganz 19 Menschen ihr Kommen angesagt, da sind aber wohl schon um die 100 (gezählt habe ich nicht) – oft ist es umgekehrt, die Mundpropaganda ist also doch noch nicht tod.

Dritte Hand 2017

Dritte Hand 2017

Ein volles Cafe Stadtbahn, mittig Sänger und Gitarrist Mario Schlager, daneben an der Hammond-Orgel Bernhard Scheiblauer, dahinter am Zeugl David Bergstötter und ganz links am Bass Katharina Pichlmayer, die ab und an auch Werkzeug und Platz mit Mario Schlager tauscht.

In der Mitte der Eingang des Cafe Stadtbahn – leider ein wenig ungünstig, aber ghupft wia ghatscht, geht sich alles aus.

“Ghupft wia Ghatscht” benennt sich auch das heuer erschienene Debutalbum der “Dritte Hand“, (Konzerte seit September 2015) welches die Band diesen Abend heute (plus einigen anderen Songs) präsentiert – und dieser Albenerstling hat es, wie auch der gesamte Abend, durchaus in sich:

“Donaurock & Stonerwalzer” benennt Mario die Song-Melange, die diesen Abend füllt – in der Tat müsste man für dieses im Dialekt dargebrachten Musik-Potpourri einen neuen Namen erfinden, eine Einordnung in gängige Musikschubladen lässt die Dritte Hand nämlich nicht zu.
Habe ich Anfangs noch ein wenig Angst vor der Hammond-Orgel (ein Instrument, welches bei mir gerade noch bei den Doors einigermaßen durchgeht) und den vielen jungen Gesichtern auf der Bühne, so reduziert sich diese ruckzuck und geht in große Freude über: Allerfeinstes Songwriting, ja Lyrik im ausgewachsenen Songkleidern werden da dargebracht.

Nicht nur viele eigene Songs, auch so manche frisch adaptierte Covers stehen auf dem Programm: Aus “Berlin” der feinen NDW-Truppe “Ideal” wird ein dahinschleichendes (entschleunigtes) “Wean”, der gute alte Dylan wird natürlich auch gecovert und sogar an Ernst Molden’s “Heiligenstadt” versuchen sich Mario Schlager und Co.

So ziemlich alle klassischen Elemente der Populärmusik kommen vor, Pop, Rock, Blues, da und dort höre ich sogar ein wenig (angenehmen) Jazz, irgendwann geht die Reise (wohl Hammond-bedingt) nach Indien, psycheldelisch, teils extatisch – und schon bringt der nächste Song die nächste Überraschung. Der Longplayer-Titelsong “Ghupft wia Ghatscht” ist sogar leicht hinverdächtig…

Dritte Hand plus Sigrid Horn

Dritte Hand plus Sigrid Horn

Erfreulicherweise ist auch Gästin Sigrid Horn heute mit von der Partie – und bringt gesanglich noch mehr Schwung in die Bude.

Ein äußerst lohnender Abend, der vom Publikum auch höchst eifrig akklamiert wird und eigentlich viel zu früh zu Ende geht.

Aber da kommt sicher noch etwas nach – der Publikumsandrang ist wohl kein Zufall, die nächste Gelegenheit der noch raren “Dritte-Hand-Konzerte” sollte man durchaus nutzen…

Die CD “Ghupft wie Ghatscht” habe ich natürlich umgehend erworben: Dringende Empfehlung (da hört man die feinen Lyrics noch besser raus als live)!
Einfach beim nächsten Konzert vor Ort erweben, der Online-Vertrieb der heißen Scheibe ist sicher noch erweiterungswürdig – bei der Medienmanufaktur von Charlie Bader ist sie aber schon zu haben!

(Ge)