Erste Schritte für Musiker – Ein Leitfaden – Teil 2

Der Start in die Musikbranche – Wissenswertes und Tipps, Teil 2

Die ersten Vorbereitungsschritte in Sachen “Musikerkarriere” haben wir schon im Teil 1 unserer bescheidenen Serie erwähnt bzw. gelistet – Organisatorisches ist auch in der Musikbranche leider nicht zu vermeiden.

Marcin Suder - Between Music

Marcin Suder – Between Music

Nachdem Künstler im Normalfall nicht unbedingt große Organisationstalente und Manager sind, haben wir unseren Mann vom Fach, den Marcin Suder von between music,  gefragt, ab wann man denn so einen Manager, Booker oder/und Verleger braucht.

Die Antwort fiel überraschend lange aus – denn verallgemeinern darf man bei dieser Frage nicht.

Somit möchten wir Euch die weisen Worte des Mannes unseres Vertrauens nicht vorenthalten:


Manager, Booker, Verleger benötigt?

Eigentlich „braucht“ man die alle nicht unbedingt. Es geht auch ohne, wenn man selbst „gut“ darin ist, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen.

Früher oder später kommt aber meistens der Moment an dem man Unterstützung braucht, weil man selber zu wenig Know-How hat oder weil man keine Zeit und Energie dafür hat.

2 Beispiele aus der Praxis (Anmerkung ArGe: die Namen der Künstler lassen wir hier wunschgemäß weg):

Manche Künstler sind verdammt gut darin, sich ihre Gigs selbst zu checken. Weil diese dafür aber kaum Zeit für diese Arbeit haben und sich hiefür auch immer extrem motivieren müssen, wäre ein Booker oft durchaus gefragt, der das zumindest so gut macht, wie der Künstler selbst. Wir haben schon einige Booker angefragt und mit einigen auch versucht zusammenzuarbeiten. Viele haben dann aber von selbst gesagt: “Besser als der betreffende Künstler können wir das auch nicht, also machen wir es nicht“ und einige haben es zwar probiert, aber nach einiger Zeit war der Künstler dann unzufrieden und hat die Sache dann selbst wieder in die Hand genommen. Große Agenturen lehnen hingegen auch gerne noch unbekanntere Künstler schlichtweg ab.

Ein anderer Künstler steht hingegen noch ziemlich am Start und kann auch schon ganz gut selber für Gigs sorgen – und hat sich dann aber mangels eigenem Know-How (woher auch) doch einen Booker gesucht, der jetzt für das nächste Jahr anfängt, Gigs zu buchen, die der Künstler ob seiner bisherigen Bekanntheit selbst wohl schwer kriegen würde. Hier kommt dem Künstler aber auch entgegen, in einer interessanten Nische tätig zu sein, und nicht im breit umkämpften Pop-Bereich.

Ähnliches gilt dann immer für Management und Verlag – mein Tipp ist daher immer: So lange wie möglich so viel wie möglich selbst machen und erst wenn man merkt, dass man bei einem Thema vollkommen ansteht und nicht mehr weiter kommt, DANN kann man sich nach Hilfe umsehen.

Ob man dann auch die richtigen Partner findet und ob die mit der Band, der Künstlerin, dem Künstler, dann auch zusammenarbeiten wollen, ist natürlich eine ganz andere Geschichte.


Der Punkt ist: ALLE in der Wirtschaft (Labels, Verlage, Management, Booker etc.) arbeiten lieber mit Bands, die schon viele Fans haben als mit solchen, die wenige Fans haben.

Ich wäre auch lieber der Booker der Rolling Stones, wo ich nur das Telefon abheben muss, als von einer Proberaum-Band, die hin und wieder für die Freundin und die Mama im Replugged spielen und von mir wollen, dass ich sie beim Nova Rock reinbringe.

D.h. die ALLERHÖCHSTE Priorität für alle Künstler MUSS SEIN: FANS, FANS, FANS!

Dann findet man auch die richtigen Partner, die einem weiterhelfen. Im Idealfall kommen dann sogar die Partner auf die Band zu und bieten ihnen die besseren Deals an.

Was macht ein Musikverlag, was macht ein Manager? (weiterhin O-Ton Marcin Suder)

Verlage kümmern sich ja in erster Linie um die Verwertung der Urheberrechte, was natürlich für die meisten Bands ein recht unbekanntes Thema ist und sowieso ja meistens vom Label „miterledigt“ wird (wenn auch selten in dem umfangreichen Ausmaß, wie eben von echten Verlagen).

Und Manager sind in Wahrheit in Österreich a) sowieso Mangelware und b) für Bands erst dann spannend, wenn man mit dem ganzen organisieren vom gesamten Band-Business überfordert wird. Da kann man „Manager“ durchaus so verstehen wie bei allen anderen Unternehmen.

Das sind Leute, die das Ding am Laufen halten: Termine organisieren, die Kommunikation mit Label, Booker, Verlag, Merch-Leuten, Fan-Clubs, Medien, Sponsoren, etc. übernehmen, Verträge für die Band ausverhandeln und unterschreiben, sich langfristige Karriere-Konzepte überlegen und durchführen (in der klassischen Wirtschaft heißt das dann operatives und strategisches Geschäft).

Ist also -wie gesagt- eher für Künstler ab der Größenordnung WANDA wirklich interessant.

(Anmerkung Arge-Musik.at: WANDA hatten z.B. noch kein Management als sie zu Problembär Records gekommen sind – die Sache verlief dann aber derart efolgreich, dass Problembär-Chef Stefan Redelsteiner sein Label folglich an Seayou Records verkauft hat und nun ein paar ausgewählte Problembär-Künstler  (Wanda, Der Nino aus Wien und Das Trojanische Pferd) als Manager betreut.)


Sodenn, wer das jetzt brav gelesen hat, darf dann beim nächsten Artikel finally über Dinge wie Label, Veröffentlichung, AKM, Austro Mechana, LSG, ISRC-Codes, Rebeat, CD Baby etc. lesen…;-) – und hier wäre der Artikel auch schon: Musik veröffentlichen – Tipps und Infos von Marcin Suder

(Ge)