Seraphim, Chelsea, 1.11.2016 – ArGe-Musik.at

Seraphim, Chelsea, 1.11.2016

Seraphim im Chelsea – Placebo aus Linz!?

Die Linzer Band Seraphim veröffentlichte heuer die EP “Debis” – darauf zu finden sind auch die ausgesprochen netten Pop-Rock-Songs “Ilvy” oder “Way back away”, zu welchen auch sehr feine Videos produziert wurden und die folglich verdientermaßen auch auf FM4 zu hören waren.

Seraphim live im Chelsea, 1.11.2016

Seraphim live im Chelsea

Für die ArGe galt es sogleich auch um ein Bandportrait von Seraphin zu bitten, welches uns Sänger Gregor Ollmann ruckzuck und vorbildhaft (für die vielen säumigen bzw. vergesslichen Schurken aus der Musikszenerie) zukommen ließ: Seraphim im ArGepedia

Nachdem nun die Kunde Runde machte, dass sich die Oberösterreicher (eingeladen von den Kollegen von Port Solace) nach Wien ins Chelsea begeben, war klar: Da hat der Alaba (also die Championsleague) ausnahmsweise das Nachsehen und dass es sich beim 1.11.2016 um einen falschen “Sonntag” handelt (der den Besucheransturm überschaubar hielt), war mir auch eher blunzn.

Weniger wurscht hingegen wieder einmal der Start des Abends: 20h stand da zu lesen und zumindest mein Teil der ArGe ist in der Regel pünktlich. Um irgendwann nach 21.30h ging’s dann wirklich los (ich sollte es eigentlich schon besser wissen…) – und zwar mit Port Solace, die gleich einmal ein Bier über den Kabelsalat fließen ließen, was das Warten auf Seraphim auch nicht kürzer machte.

Das Konzert von Port Solace war sehr fein – gediegener und sehr gitarrenlastiger Alternative-Rock, dem wir beizeiten gerne mehr Zeilen widmen werden.

Irgendwann dann gegen 23h legten endlich Seraphim los – und das Warten bzw. der Weg hat sich gelohnt:

Schon ab der ersten Nummer Vollgas bei allen 4 Musikern: Gregor Ollmann  (Vocals, Guitar, Synth), Ronald Gaisbauer (Guitar, BV),  Alexander Kaiser (Bass, BV) und Thomas Berger (Drums) verstehen einerseits ihr jeweiliges Handwerk, die Gitarren scheppern, dass es eine Freude ist und Gregor Ollmann hat eine bemerkenswerte, prägnante Stimme.

Erst nach ein paar Songs klingelt es: Die klingeln ja total nach Placebo! Brian Molko & Co. waren in den Nullerjahren eine meiner Lieblingsbands aus dem halbkommerziellen Bereich – anlässlich des Hörens von “Ilvy” und “Way back away” war mir das aber noch absolut nicht aufgefallen.

Seraphim bieten aber nicht nur Placebo-Riffs und Placebo-Stimme von Ollmann (der hat stimmlich nicht nur den Molko drauf!) – die Bühnenpräsenz und die große Spielfreude der Truppe hält mit der hohen musikalischen Qualität (so ich die beurteilen darf) Schritt.

Gibt es bei den eingängigen Songs einen Chorgesang, zeigen auch Gaisbauer und Kaiser durchaus stimmliches Können, der Sound ist (wie live fast immer der Fall) deutlich härter als auf Tonträger, die Gitarren dominieren das Geschehen, Drummer Berger im “Chelsea-Winkerl” werkelt großartig.

Das Publikum (die Band hätte sich mehr verdient, die Wiener Szenerie hat kläglich ausgelassen)  ist begeistert, ich sowieso – und die Band lässt (da und dort auch gefühlvoll) die Sau raus, deutet hohes Exzesspotenzial an.

Weiteres Geschwurbel erspare ich mir – sehet doch selbst:

Bravissimo – eines der feinsten Konzerte des Jahres – und es waren 2016 schon ganz schön viele…

Zu Hause lief übrigens heute ganztägig das 2012er-Album “A light that never goes out” – Seraphin zählt ab sofort zu meinen heimischen Lieblingsbands.

(Ge)