Englischsprachige Musik – ein Hemmschuh für die Charts

Deutsch oder Englisch in den österreichischen Charts – eine Analyse

Steaming Satellites - Max Borchardt live Popfest Wien 2013 Karlplatz

Steaming Satellites – Max Borchardt live
Popfest Wien 2013 Karlplatz

In einem Land, in welchem Andreas Gabalier, Andy Borg, Marc Pircher, DJ Ötzi, diverse alte und junge Zillertaler oder Schürzenjäger und die Stürmer Christl die Charts bestimmen, und in welchem diversen Musikern dringend nahegelegt wird, ihrer Musikleidenschaft doch besser in deutscher Sprache nachzugehen, hat es die englischsprachige Musik gar nicht leicht!

Wir haben es schon geahnt – und möchten dies nun mit einer kleinen Recherche belegen. Wir haben uns diesbezüglich ganz einfach die letzten beiden Jahre die Top 10 der heimischen Charts (Single und LP) angesehen – und das Ergebnis könnte in seiner Vehemenz nicht deutlicher sein:

Single Charts: Songcontest und Castingshows

2014 konnte man gerade einmal 16 heimische Interpreten in den Top 10 der Singlecharts finden.

Davon wurden nur 6 Songs in Englisch gesungen:

  • Million Euro smile – The Makemakes
  • Rise like a phoenix – Conchita Wurst
  • Open your eyes – Harfonie
  • Leya – Thorsteinn Einarson
  • Goodbye – Leo Aberer und Marco Angelini
  • Light up – Harfonie

Sieht man sich die 6 KünstlerInnen an merkt man schon rasch: Nahezu nur Produkte aus Castingshows bzw. Songcontest…

2015 fällt bisweilen noch dramatischer aus: Nach 10 Monaten haben es gerade einmal 2 englischsprachige Nummern von österreichischen Künstlern in die Top 10 gebracht – insgesamt sind 9 Single-Hits von Österreichern eigentlich auch eine sehr traurige Zwischenbilanz…

Und Sie werden es erraten: Wieder 2 Nummern aus der ORF-Abteilung durften ausnahmsweise auch in Englisch sein: „I am yours“ von den Makemakes und „Feel alive“ von DAWA.

Longplay-Charts – englischsprachiche Musik von Österreichern kaum vertreten

Während Österreichische Interpreten bei den Single-Hits äußerst selten zu finden sind, ist insbesondere die heimische Volksmusik- und Schlagerwelt in den LP-Charts sehr deutlich abgebildet.

Das zeigt auch schon ein Blick auf 2014, wo es immerhin 45 österreichische LP-Produktionen in die Top 10 gebracht haben.

Aber gerade einmal 4 (!!!) Interpreten/Künstler sind Vertreter der Fraktion „Englische Texte“:

  • Thomas David mit Able
  • Kaiser Franz Josef mit Reign begins
  • Left Boy – Permanent midnigt
  • Anna F. – King in the mirror

Castingshowanteil („Die Große Chance…“): 50%

2015 sieht die Bilanz bisweilen (Stand Mitte Oktober) nur marginal besser aus: Schon 46 österreichische Interpreten haben die Top 10 geschafft, immerhin 6 davon singen auf Englisch.

Hier die 6 Helden:

  • The demon diaries – Parov Stelar
  • Trialog – HVOB
  • Seven – Piccanto (Casting-Show Chöre)
  • The Makemakes – The Makemakes (Songcontest)
  • Conchita – Conchita Wurst (Songcontest)
  • Steaming Satellites – Steaming Satellites

Wiederum ein Castingshow- bzw. Songcontestanteil von 50%

Fazit: Englische Songs in Österreich sehr schwer zu verkaufen

Wenn schon Songs mit englischem Text, dann führt in Österreich der Weg zur relativen Bekanntheit leider allzu oft nur über Castingshows bzw. Songcontest – und bei Ö3 (mittlerweile nur noch ein Einheitsbreiradio) muss man sich wohl auch kräftig einschleimen…

Ein paar Einsätze bei FM4 reichen leider noch lange nicht für brauchbare Verkaufszahlen – von Musikverkäufen alleine lebt wohl in Österreich kein einziger „englischsingender“ Künstler…

Natürlich ist dieser Tage der Musikmarkt (insbesondere von englischen Songs) nicht nur auf little Austria beschränkt – gerade englischsprachige Acts haben auch die Möglichkeit, ihre Songs außerhalb der Alpenrepublik an die Fanschaft zu bringen. Wirklich gelingen tut dies allerdings nur in den wenigsten Fällen.

Wiewohl wir bei unseren heurigen Recherchen in der alternativen Musikszenerie zuletzt auch eine Menge KünstlerInnen entdeckt haben, die auf Deutsch bzw. in Mundart trällern – im Normalfall ist gerade der Bereich der feinen Musikkünste nach wie vor in Englisch unterwegs.

Reichtum, liebe Englisch-Affinen-Leute, ist ob obiger Fakten wohl nicht zu erwarten. Wiewohl wir keinesfalls jemanden auffordern möchten, sich hier zu verbiegen oder gar verbiegen zu lassen – im Gegenteil!

Zum Abschluss hier noch ein virtueller Arschtritt für Ö3 und den ORF: KICK!