Prag, 26.3.2015

Künstler: PRAG

Datum: 26.3.2015, 20.00h

Ort: Akzent Theater, Wien 4

Anlass: PRAG-Tour „Kein Abschied“

Nora Tschirner
Erik Lautenschläger
Tom Krimi
und 6 großartige Orchestermusiker

Die deutsche Schauspielerin Nora Tschirner macht auch gerne gute Musik. Darum gründete sie 2011 gemeinsam mit Schulfreund Erik Lautenschläger und Tom Krimi die Formation „PRAG“.

Unterstützt von einem Filmorchester aus Prag veröffentliche man Anfang 2013 das Album „Premiere“ und konnte sich mit interessanten Chansons in deutscher Sprache auch gleich in der deutschen und österreichischen Hitparade einfinden. Ein Auftritt beim hiesigen „Willkommen Österreich“ konnte dabei nicht schaden und PRAG gastierten auch schon 2013 im Akzent.

Anfang 2015 erschien nun das 2. Album „Kein Abschied“ – und auch dazu galt es, auf Tour zu gehen und das Wiener Akzent Theater wieder anzusteuern.

Auf freundliche Empfehlung des Herrn Sturm (Direktore vom Akzent), dessen Haus dieser Wochen „musikalische Starkfrauentage“ abliefert, trat meinereiner die Reise ins Akzent an – nicht ohne vorher eine Warnung vom Herrn Ar (von ArGe) mit auf den Weg zu bekommen: „Die haben beim 2. Album stark nachgelassen und die Sache könnte eher langweilig werden“, meinte der von mir (meistens) so hochgeschätzte Musikexperte in etwa. Ätschi, bätschi, Herr Ar, lesen Sie bitte weiter…

Die (wie vor Konzerten übliche) Publikumsbeschau hätte den Ar ja noch bestätigt: Scheinbarer durchschnittlicher IQ von 145 (durch mich noch massiv reduziert), sehr gemischtes Publikum, kaum erkennbare Altersstruktur. Die Bildungschicht hat Ausgang erhalten, möchte man meinen. Noch dazu: Viele schöne Menschen.




Der eiserne Vorhang des Akzent geht relativ pünktlich auf und Frontfrau Nora Tschirner freut sich über diesen wie ein kleines Kind – Theatervorhänge haben für Künstler schon seinen Reiz…

Damit ist auch schon das Eis gelockert – und wohlklingender Orchestersound füllt den Raum, der mit ca. 250 Menschen gar nicht so übel besetzt ist.

Wie die Musik von Prag denn so klingt, fragte mich (ebenfalls nicht sehr eingehörten) vor dem Konzert eine Dame, die einst Tom Krimi unterrichtet hat und darob eine Freikarte erhielt: „Irgendwo zwischen Element of Crime (war meine Hoffnung) und Blumfeld in der Endphase (war meine Befürchtung)“, lautete die
Antwort, die mangels Kenntnis der beiden Bands zu einem „schaumamal“ führte. Und wie wir geschaut und gehört haben, die Damen und ich…

Die melancholisch grundierten Pop-Chansons von Prag sind nämlich in der guten Akustik des Theater Akzent allerfeinst aufgehoben – und mit 3x Vocals (Tschirner, Lautenschläger, Krimi) und Sound von Trompete, Schlagzeug, 4x diverse Gitarren, Violine und Cello verdammt gute Klangmalerei.

Das Anhören der neuen Single „All die Jahre“ führte vor dem Konzert zum falschen Eindruck (siehe Blumfeld) – mit 9 Musikern auf der Bühne hört sich die Prag-Musik teilweise göttlich an und ab und an wird sogar Rock und Exzesspotenzial angedeutet.

Während die meisten Besucher (wohl vom IQ gehemmt) nur brav bis halbeuphorisch klatschen, „müssen“ sich meine diversen Körperteile dauern bewegen – zum Glück hatte ich einen fußfreien Platz. Auch die Frau Nachbarin (ganz ohne Vorbildung) und mein Nachbar (mit sehr viel Musikwissen) sind ziemlich begeistert und hören kaum auf die Texte (die man wohl auch als Gedichte durchgehen würden) und staunen vielmehr über Violoncello, Violine oder den großartigen Drummer.

An der Bandfront brilliert die selbstbewusste und superlockere Nora Tschirner mit launigen Ansagen und kleinen Provokationen (so ist’s brav, weiter so!) – Tschirner ist eindeutig das Herz der Band. Kompliment aber auch für das Hirn: Erik Lautenschläger (und auch Tom Krimi) sind wohl für den Seriösitätsfaktor
zuständig und könnten sich nahtlos in das nunmehr schon auf Durchschnitts-IQ 146 angeschwollene Publikum setzen.

Die blöde Gschicht dabei: Lautenschläger hat eine ziemlich üble Frisur und augenscheinlich etwas wenig Pfeffer im Arsch, was dessen Beweglichkeit auf der Bühne eher in Richtung Joe Cocker oder Grönemeyer lenkt. Egal – ein Künstler muss ja nicht tanzen können und außerdem ist da ja immer noch das „Springinkerl“ (=lebhafter Mensch) Tschirner, die im Comedyfach sogar in Österreich Chancen hätte.




Ein großartiger Abend im Akzent – auch die Band dürfte ihre Freude gehabt haben.

So viel gute Musik zu seriösen Preisen – hoffentlich geht sich der Luxus der feinen Klänge (inklusive Orchester) für Prag noch lange aus!

(Ge)

Prag, 26.3.2015, Theater Akzent, Wien

Prag, 26.3.2015, Theater Akzent, Wien
(c) Wolfgang Sturm

Prag, 26.3.2015, Theater Akzent, Wien

Prag, 26.3.2015, Theater Akzent, Wien
(c) Wolfgang Sturm

2 Comments

argemusikadmin

wir machen ja schon unser ganzes leben nichts anderes als designen 😉

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